Notgroschen: Wie hoch, wo anlegen und warum zuerst?
Der Notgroschen ist die Grundlage jeder Finanzplanung – und der häufigste Fehler ist, ihn zu überspringen.
Warum der Notgroschen zuerst kommt
Der Notgroschen ist Geld, das du kurzfristig und ohne Verlust verfügbar hast – für Autoreparatur, kaputte Waschmaschine, unerwartete Nachzahlung oder Jobverlust.
Ohne diese Reserve zwingt dich jede unerwartete Ausgabe dazu, Wertpapiere zu verkaufen. Das Problem: Solche Ereignisse häufen sich in Krisenzeiten – also genau dann, wenn auch die Börsen tief stehen. Du realisierst Verluste zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt.
Wie hoch sollte er sein?
Die gängige Empfehlung lautet drei bis sechs Monatsausgaben. Entscheidend sind dabei die tatsächlichen Ausgaben, nicht das Nettoeinkommen.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Unbefristet angestellt, keine Kinder | 3 Monatsausgaben |
| Angestellt mit Familie / Wohneigentum | 4–6 Monatsausgaben |
| Selbstständig, schwankendes Einkommen | 6–12 Monatsausgaben |
| Im Ruhestand (FIRE) | 2–3 Jahresausgaben als Cash-Puffer |
Bei monatlichen Ausgaben von 2.200 € ergibt sich damit ein Notgroschen von 6.600 bis 13.200 €.
Wo anlegen?
Zwei Anforderungen sind nicht verhandelbar: täglich verfügbar und ohne Kursrisiko. Damit scheiden Aktien, Anleihen mit Laufzeit und Festgeld aus.
- Tagesgeldkonto: Der Standard. Einlagensicherung bis 100.000 € pro Bank und Kunde innerhalb der EU. Konditionen regelmäßig vergleichen.
- Geldmarkt-ETF: Bildet kurzfristige Zinssätze ab, sehr geringe Schwankung. Verfügbar innerhalb weniger Tage. Kapitalerträge sind steuerpflichtig.
- Girokonto: Nur für den unmittelbar benötigten Teil – meist unverzinst.
Der Inflationseinwand
Ein häufiges Argument lautet: Auf dem Tagesgeldkonto verliert der Notgroschen real an Wert. Das stimmt – ist aber der Preis der Versicherung.
Bei 10.000 € Notgroschen, 2 % Inflation und 2 % Tagesgeldzins bleibt die Kaufkraft konstant. Liegt der Zins darunter, verlierst du real einige Hundert Euro pro Jahr. Dem steht das Risiko gegenüber, im Crash Anteile mit 30 % Verlust verkaufen zu müssen. Die Rechnung geht klar zugunsten des Notgroschens aus.
Aufbau in der Praxis
Wenn du bei null startest, füllst du den Notgroschen zuerst vollständig auf. Bei 1.000 € monatlicher Sparrate und einem Ziel von 6.600 € dauert das rund sieben Monate. Erst danach beginnt der ETF-Sparplan.
Das fühlt sich langsam an, ist aber die stabilere Reihenfolge: Ein Depot, das bei der ersten unerwarteten Rechnung wieder aufgelöst wird, bringt langfristig nichts.
FiSim bildet diese Priorisierung ab: Der Notgroschen wird in der Simulation immer zuerst befüllt, bevor Beiträge ins Portfolio fließen – so siehst du realistisch, wann dein Vermögensaufbau tatsächlich startet.
Der Notgroschen im Ruhestand
Was in der Ansparphase eine Reserve für Notfälle ist, wird im Ruhestand zum strategischen Instrument. Ein Cash-Puffer von zwei bis drei Jahresausgaben erlaubt dir, in Crashphasen daraus zu leben, statt Aktien zu Tiefstkursen zu verkaufen.
Genau das entschärft das Sequenzrisiko – die größte Gefahr für ein Entnahmeportfolio. Der Preis dafür ist eine leicht niedrigere Gesamtrendite, weil ein Teil des Vermögens unproduktiv liegt. Für die meisten ist das ein guter Tausch.
Wieder auffüllen nach Nutzung
Wenn du den Notgroschen angreifen musstest, hat das Wiederauffüllen Vorrang vor neuen Depoteinzahlungen. Der Sparplan pausiert also, bis die Reserve wieder steht.
Das fühlt sich rückschrittlich an, ist aber konsequent: Ein Notgroschen, der nach der ersten Nutzung dauerhaft leer bleibt, erfüllt seinen Zweck nicht mehr. Er ist eine Versicherung, keine einmalige Anschaffung.
Häufige Fehler
- Zu klein bemessen. Wer nur einen Monat abdeckt, ist bei Jobverlust sofort gezwungen zu verkaufen.
- Zu groß bemessen. Zwölf Monatsausgaben bei sicherem Job kosten über Jahrzehnte spürbar Rendite.
- Am Einkommen statt an den Ausgaben orientiert. Maßgeblich ist, was du tatsächlich zum Leben brauchst.
- Auf dem Girokonto geparkt. Meist unverzinst – und zu leicht verfügbar für Spontankäufe.
- Zu weit weg angelegt. Ein Konto mit mehreren Tagen Überweisungsdauer hilft bei einer akuten Rechnung nicht.
Notgroschen und Dispo
Manche argumentieren, ein eingeräumter Dispokredit ersetze den Notgroschen. Das ist riskant: Dispozinsen liegen typischerweise im zweistelligen Prozentbereich, und die Bank kann den Rahmen jederzeit kürzen – erfahrungsgemäß gerade dann, wenn sich deine finanzielle Lage verschlechtert. Ein Dispo ist ein teurer Notfallpuffer, kein Ersatz für eigenes Geld.
Wann du weniger brauchst
Die Empfehlung von drei bis sechs Monatsausgaben ist ein Richtwert, kein Dogma. Weniger kann ausreichen, wenn mehrere stabilisierende Faktoren zusammenkommen: ein sehr sicheres Beschäftigungsverhältnis, ein zweites Haushaltseinkommen, geringe Fixkosten und keine Unterhaltsverpflichtungen. Umgekehrt gilt: Selbstständige, Alleinverdiener mit Familie oder Eigentümer älterer Immobilien sollten großzügiger planen.
Rechne es für deine Situation durch
FiSim simuliert deinen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit mit Monte-Carlo-Verfahren, deutschem Steuerrecht und Immobilien – kostenlos und ohne Anmeldung.
FiSim öffnen