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Sichere Entnahmerate: Wie viel darfst du monatlich entnehmen?

Von der starren 4-Prozent-Entnahme über Guardrails bis zur dynamischen Anpassung – welche Strategie zu welchem Ruhestand passt.

Aktualisiert: 26. Juli 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten

Was eine Entnahmerate ist

Die Entnahmerate (englisch Safe Withdrawal Rate, SWR) gibt an, welchen Anteil deines Vermögens du jährlich entnehmen kannst, ohne dass es vorzeitig aufgebraucht ist. Sie ist die zentrale Stellschraube der Ruhestandsplanung – und die am häufigsten unterschätzte.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen nominal und real. Eine sinnvolle Entnahmeplanung rechnet immer in heutiger Kaufkraft: Wenn du heute 2.200 € monatlich brauchst, musst du in 20 Jahren nominal deutlich mehr entnehmen, um denselben Lebensstandard zu halten.

Bei 2 % Inflation:
2.200 € heute = 3.268 € in 20 Jahren = 3.972 € in 30 Jahren

Starre Entnahme

Die klassische Variante: Du legst im ersten Jahr einen Betrag fest und erhöhst ihn jedes Jahr um die Inflationsrate – unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt.

Vorteil: Planbarkeit. Du weißt immer, wie viel dir zur Verfügung steht.
Nachteil: Kein Schutz gegen schlechte Marktphasen. Nach einem Crash entnimmst du prozentual deutlich mehr und beschleunigst den Kapitalverzehr.

Dynamische Strategien

Guardrails (Leitplanken)

Du definierst Ober- und Untergrenzen. Steigt dein Portfolio deutlich, erhöhst du die Entnahme; fällt es unter eine Schwelle, kürzt du zeitweise – typischerweise um 10 bis 20 %. Diese Flexibilität erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich, weil du in Krisen weniger Substanz verbrauchst.

Konstante prozentuale Entnahme

Du entnimmst jedes Jahr einen festen Prozentsatz des aktuellen Portfoliowerts. Damit kann dein Kapital rechnerisch nie auf null fallen. Der Preis: Deine monatlich verfügbare Summe schwankt stark mit dem Markt – nach einem Crash von 40 % hast du 40 % weniger zum Leben.

Variable Percentage Withdrawal (VPW)

Der Entnahmeprozentsatz steigt mit zunehmendem Alter, weil die verbleibende Laufzeit kürzer wird. Mathematisch ähnlich einer Annuität. Effizient in der Kapitalnutzung, erfordert aber die Bereitschaft zu schwankenden Entnahmen.

Das Sequenzrisiko im Detail

Zwei Ruheständler mit identischer Durchschnittsrendite über 30 Jahre können völlig unterschiedlich enden – abhängig allein von der Reihenfolge der Renditen.

Wer in den ersten fünf Jahren einen schweren Bärenmarkt erlebt und gleichzeitig entnimmt, verkauft Anteile zu niedrigen Kursen. Diese Anteile fehlen dauerhaft und können an der späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Fachleute nennen die Jahre um den Ruhestandsbeginn deshalb die kritische Dekade.

Gegenmaßnahmen: Ein Cash-Puffer von zwei bis drei Jahresausgaben, aus dem du in Crashphasen entnimmst, statt Aktien zu verkaufen. Alternativ eine Glidepath-Strategie: zu Ruhestandsbeginn defensiver aufgestellt, danach die Aktienquote wieder erhöhen.

Steuern richtig einrechnen

Deine Entnahmerate bezieht sich auf den Bruttobetrag, den du aus dem Portfolio nimmst. Was bei dir ankommt, ist weniger. Die Umrechnung:

Brutto = Netto ÷ (1 − Steuersatz × (1 − Teilfreistellung))

Beispiel: 2.200 € ÷ (1 − 0,26375 × 0,70) = 2.820 € brutto

Bei einem Aktien-ETF mit 30 % Teilfreistellung liegt die effektive Steuerlast bei rund 18,5 % statt 26,375 %. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € jährlich (2.000 € bei Zusammenveranlagung) reduziert die Belastung zusätzlich, fällt bei größeren Depots aber kaum ins Gewicht.

Welche Rate ist die richtige?

RateHorizontEinordnung
4,0 %~30 JahreHistorisch solide, aber ohne Steuerpuffer
3,5 %35–40 JahreGuter Kompromiss für frühen Ausstieg
3,0 %50+ JahreSehr robust, auch bei schwachen Märkten

Statt dich auf eine pauschale Zahl zu verlassen, lohnt es sich, die eigene Situation mit Volatilität, Steuern und Zeithorizont durchzurechnen. Genau dafür ist FiSim gebaut.

Die gesetzliche Rente einrechnen

Eine Entnahmeplanung, die die spätere gesetzliche Rente ignoriert, überschätzt den Kapitalbedarf erheblich. Sinnvoller ist eine zweiphasige Betrachtung:

Wer mit 50 aussteigt und mit 67 Rente bezieht, muss also 17 Jahre voll überbrücken – danach reicht ein kleinerer Entnahmebetrag. Das reduziert das benötigte Zielkapital spürbar gegenüber einer Rechnung, die 40 Jahre volle Entnahme unterstellt.

Reihenfolge der Entnahme

Aus welchem Topf du zuerst entnimmst, hat steuerliche und strategische Folgen:

Wie viel Sicherheit ist genug?

Eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 100 % ist weder erreichbar noch sinnvoll. Wer auf absolute Sicherheit optimiert, arbeitet Jahre länger als nötig und verbraucht Lebenszeit für einen Risikopuffer, der statistisch kaum je gebraucht wird.

ÜberlebensrateEinordnung
über 95 %Sehr konservativ – ggf. wird zu lange gearbeitet
85–95 %Solider Bereich für die meisten Situationen
70–85 %Nur mit Flexibilität bei den Ausgaben vertretbar
unter 70 %Zu riskant – Entnahme senken oder länger sparen

Entscheidend ist der Kontext: Wer jederzeit wieder arbeiten könnte, kann ein höheres Risiko eingehen als jemand, für den ein Wiedereinstieg realistisch ausgeschlossen ist.

Die häufigsten Fehler

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